| Fettarm oder Kohlenhydrat arm – wo bitte geht’s lang?
Waren vor kurzem noch Diätbücher mit dem Schlagwort „Low Fat“ die Verkaufsschlager, so heißt es heute: „Kohlenhydrate sparen – Fett und Eiweiß machen nicht dick!“ Was stimmt denn jetzt? Oder stimmt beides? Oder beides nicht? Trösten Sie sich, nicht nur Sie sind verwirrt, auch Ernährungswissenschaftler und Mediziner sind erstaunt über Erfolge kohlenhydratarmer Reduktionsdiäten. Im folgenden fasse ich die Fakten für Sie kurz zusammen:
Kohlenhydratarm (low-carb):
Eiweiß und Fett sättigen sehr gut. Sie dürfen bei dieser Ernährungsform Lebensmittel essen, die bisher als ‚nicht geeignet’ galten. Das ist natürlich verlockend. Steaks, Eier, Käse, Wurst, Milch und Milchprodukte dominieren die Mahlzeiten. Was Sie einschränken sollen sind Brot, Kartoffeln, Reis und Nudeln. Ob ein Lebensmittel geeignet oder ungeeignet ist, entscheidet der Glykämische Index. Er sagt etwas darüber aus, wie stark der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr eines Lebensmittels ansteigt. Ein starker Blutzuckeranstieg führt zu einer hohen Insulinausschüttung und begünstigt die Einlagerung von Fett in den Fettdepots. Inzwischen ist klar, dass die Aussagekraft dieses Glykämischen Indexes in der Praxis nicht brauchbar ist, da er zum einen verändert wird, sobald das entsprechende Lebensmittel zusammen mit Fett oder Eiweiß aufgenommen wird (was fast immer der Fall ist) und er zum anderen von der Menge abhängt, die verzehrt wird. So haben Möhren beispielsweise einen sehr ungünstigen Glykämischen Index, doch erhöhen übliche Portionsgrößen von Möhren den Blutzucker kaum.
Studien haben nun ergeben, dass die Personen, die eine kohlenhydratarme Diät befolgt haben, nicht mehr Kalorien aufgenommen haben, sondern sogar weniger! Vermutlich liegt das an der sehr guten Sättigungseigenschaft von Lebensmitteln mit einem hohen Eiweiß- oder Fettgehalt und an der Tatsache, dass Sie spätesten am 3. Tag keine 3 Steaks mehr essen, auch wenn es erlaubt ist. Ein Freibrief für Fett und Eiweiß führt schnell dazu, dass weniger Obst und Gemüse gegessen wird Die Langzeitfolgen durch eine sehr niedrige Zufuhr an Ballaststoffen, bioaktiven Pflanzenstoffen, einigen Mineralien und Vitaminen sind noch nicht abzusehen. Ebenso ist nicht zu sagen, ob der hohe Fettverzehr auf Dauer die Blutfettwerte wie Cholesterin und Triglyceride verschlechtert.
Fettarm (low-fat):
Fett liefert pro Gramm 9 kcal und ist damit der energiereichste Nährstoff. Lange Zeit galt Fett als Hauptursache für Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkankungen und Krebs. Während einige Menschen unangemessen hohe Mengen an Fett verzehren, verfallen andere geradezu in eine Fett-Phobie! Ihnen gelingt es, so gut wie gar kein Fett mehr zu verzehren. Weder das eine noch das andere ist wünschenswert, denn bei zu starker Reduzierung droht ein Mangel an essentiellen Fettsäuren und fettlöslichen Vitaminen. Des weiteren schützen die bekannten Omega-3-Fettsäuren aus Fisch oder aus Rapsöl vor Herzinfarkt, Krebs und bei Entzündungen. Das weiß man heute und empfiehlt, die Aufnahme von tierischem Fett gering zu halten, Fisch, Rapsöl und Olivenöl aber ausreichend aufzunehmen.
| „Kohlenhydrate machen nicht dick – essen Sie davon, soviel sie wollen!“ Diese Aussage ist sicherlich nicht haltbar. Viele Kohlenhydrate wie die aus weißem Mehl oder der einfache Haushaltszucker führen, isst man zuviel davon, sehr wohl zu Übergewicht. |
Meine Empfehlung zum Umgang mit Kohlenhydraten:
Reduzieren Sie nur die Kohlenhydrate aus Weißbrot, dem Haushaltszucker, aus gesüßten Getränken und aus Süßigkeiten. Sparen Sie aber nicht an Kartoffeln oder Möhren, nur weil sie einen hohen Glykämischen Index haben. Essen Sie Vollkornbrot und nutzen Sie Teigwaren und Reis als sättigende Beilage, meiden Sie jedoch viel Baguette zum Salat oder im Restaurant vorab.
Meine Empfehlung zum Umgang mit Fett:
Benutzen Sie reichlich Rapsöl oder Olivenöl beim Kochen, essen Sie regelmäßig Fisch, auch Lachs, Heringe und Fischkonserven sind günstig. Seien Sie äußerst sparsam bei Bratwurst, Fleischwurst, Leberwurst, Wiener Würstchen, Speck, Bauchfleisch. Essen sie in Maßen und mit Genuss Käse und planen Sie regelmäßig (mindestens 2 bis 3 mal pro Woche) mageres Fleisch wie beispielsweise Schweineschnitzel, Filet, Geflügel oder mageres Rindfleisch, aber auch Schinken sowie Fisch ein. Ersetzen Sie fettigen Käse durch Frischkäse und Sahnequark durch Magerquark, tauschen Sie Milchprodukte mit natürlichem Fettgehalt gegen solche mit reduzierter Fettmenge.
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