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Essen hat viele Funktionen

Essen ist weit mehr als die Versorgung des Körpers mit Nährstoffen. Mahlzeiten bieten den Rahmen für Kommunikation, mit Essen können wir uns trösten, beschäftigen, ablenken. Mit Essen können wir Frust bekämpfen, Ärger "runter schlucken", uns etwas Gutes tun.

Das gemeinsame Frühstück am Sonntag, das romantische Essen mit dem Partner, das gemeinsame Abendbrot mit den Kindern und das Essengehen mit der Freundin haben weit mehr Aufgaben als uns zu sättigen.
Mit dem, was wir anbieten oder was wir zu einer Einladung mitbringen, sagen wir etwas aus sowohl über uns als auch über unsere Einstellung zu unserem Gegenüber. Wie viel Mühe geben wir uns? Wie viel lassen wir uns das kosten? Wie viel Arbeit und Zeit investieren wir?

Wir sagen mit unserer Ernährung auch etwas über uns selbst aus. Fitnessbewusste greifen zum probiotischen Joghurt und zum mit Vitaminen angereicherten Obstsaft. Ökologisch orientierte Menschen treffen wir im Bioladen. Die 14-jährige unterstreicht mit ihrer plötzlichen Weigerung, Fleisch zu essen, ihre kritische Haltung gegenüber der Erwachsenenwelt. Die Teenager zieht es mit ihren Freunden viel mehr zu McDonalds als an den heimischen Mittagstisch. So dient Fast-Food auch der Abgrenzung vom Elternhaus. Alternative Ernährungsformen wie Makrobiotik oder Anthroposophische Ernährung finden wir bei Menschen mit grundsätzlich alternativer Haltung zur Gesellschaft. Die Auswahl des Essens ist auch ein Zeichen unserer gesellschaftlichen Zugehörigkeit. Sie dient der Integration in eine bestimmte Gruppe, Clique oder soziale Schicht. So unterscheiden sich die Feinschmecker, die Besucher der Sternerestaurants, die Liebhaber von guten und teuren Weinen von den Freunden der Hausmannskost, den Schnitzelliebhabern und den Biertrinkern. Bestimmte Lebensmittel dienen als Attribut unserer Persönlichkeit und haben die Aufgabe, unsere soziale Position zu unterstreichen.

"Sage mir was du isst, und ich sage Dir wer Du bist!"

Essen ist häufig eine Reaktion auf Gefühle, insbesondere auf Gefühle unangenehmer Art. Stress, Enttäuschung, Langeweile sind nur Beispiele für Gefühlslagen, in denen viele Menschen anfangen zu Essen. Es ist wichtig auf Gefühle zu achten, aber Essen darf nicht zur Gefühlregulierung eingesetzt werden.


     
     
     
 
© 2005-2011 BALANCE,
Birgit Junghans
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